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Weniger Neubau durch Grunderwerbsteuer befürchtet

In einer aktuellen Studie analysiert das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) die Auswirkungen der vielerorts stark angestiegenen Grunderwerbsteuer. Das Ergebnis: Gut für die Länder, aber schlecht für die dringend benötigten Neubauaktivitäten.

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(München, 11.02.2016) Als Berlin als erstes Bundesland im Jahr 2007 die Grunderwerbsteuer von 3,5 auf 4,5 Prozent erhöhte, setzte sich eine Spirale in Gang. Nur noch in Bayern und Sachsen liegt die Steuer, die beim Erwerb von Grundbesitz fällig wird, noch beim einstigen Satz von 3,5 Prozent. In allen anderen Bundesländern beträgt die Grunderwerbsteuer zwischen 4,5 und 6,5 Prozent. Mehr als die Hälfte der reinen Ländersteuern wird inzwischen aus der Grunderwerbsteuer gespeist - für das in Köln ansässige Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Grund genug, sich mit den Folgen des Steueranstiegs zu beschäftigen.

Besonders kritisch sieht das IW die Auswirkungen der Grunderwerbsteuer auf den Wohnungsneubau. Grund dafür ist, dass sich ein höherer Steuersatz zwei Mal auf die Gesamtkosten aus Sicht des späteren Erwerbers auswirkt: Zur Zahlung der Grunderwerbsteuer beim Wohnungserwerb kommt die im Kaufpreis enthaltene Steuer hinzu, die der Bauträger bereits beim Erwerb des Grundstücks entrichtet hat. Eine vom IW aufgestellte Musterberechnung kommt zu dem Ergebnis, dass beim einstigen Steuersatz von 3,5 Prozent die kumulierte Belastung durch die Grunderwerbsteuer 4,5 Prozent des Kaufpreises beträgt. Bei einem Steuersatz von 6,5 Prozent steigt hingegen die kumulierte Steuerbelastung auf 8,3 Prozent des Kaufpreises.

Weil bei jedem Verkauf ein hoher Aufschlag fällig werde, führte dies zu einer Ausbremsung des Handels mit Wohnungen und einer unnötigen Verteuerung von Neubauten, so die Kritik des IW. Vorgeschlagen wird daher ein Vorsteuerabzug nach dem Vorbild der Umsatzsteuer, um eine Kumulierung der Grunderwerbsteuer zu verhindern.

Neben dem IW fordert auch der Immobilieneigentümerverband Haus & Grund eine Reform des Grunderwerbsteuerrechts. Dieser fordert vor allem, die Grunderwerbsteuer in den Länderfinanzausgleich mit einzubeziehen. Dies soll nach Ansicht der Experten von Haus & Grund vermeiden, dass einzelne Bundesländer mit Vorliebe auf eine Erhöhung dieser Steuer setzen, weil sie von den damit erzielten Mehreinnahmen nichts an andere Bundesländer abgeben müssen.

Redaktion: Britta Barlage