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Wohnen im Alter: Möglichst lange unabhängig

Intelligentes Wohnen für gehandicapte Menschen jeden Alters erlangt immer mehr Aufmerksamkeit. Beim "Smart Home Award 2015" errangen jetzt zwei Modellwohnungen eine Auszeichnung. Und die KfW-Bank fördert Maßnahmen, die Barrieren beseitigen.

Altersgerecht Wohnen

Foto: KfW-Bildarchiv/Jens Steingässer

(München, 27.10.2015) Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes sprechen eine eindeutige Sprache: Die geburtenstarken Jahrgänge kommen in die Jahre, die Zahl der Hochbetagten steigt: Im Jahr 2013 lebten 4,4 Millionen 80-Jährige und Ältere in Deutschland, dies entsprach 5 Prozent der Bevölkerung. Ihre Zahl wird bis 2030 um gut 40 Prozent wachsen und 2060 mit insgesamt 9 Millionen etwa doppelt so hoch sein wie heute.

Sollen diese Menschen alle im Senioren- oder Pflegeheim ihren Lebensabend verbringen? Das ist weder volkswirtschaftlich noch sozial-familiär wünschenswert. Wie aber können Menschen in die Lage versetzt werden, in ihren eigenen vier Wänden zu bleiben, auch wenn sie gehandicapt sind?

Verschiedene Modellwohnungen demonstrieren, wie es gehen kann. Dazu gehören die Projekte "Ermündigung" der Firma OTB in Berlin und "+raum" der Wolfsburg AG. Beide erreichten jetzt beim "Smart Home Award 2015" den dritten Platz in der Kategorie "Bestes realisiertes Objekt". Neben den bekannten baulichen Maßnahmen wie stufenloser Zugang (Rampe, Aufzug), überbreite und schwellenlose Türöffnungen, unterfahrbare Küchenmöbel und barrierefreies Bad kommt bei den genannten Einrichtungen auch intelligente Haustechnik zum Einsatz: Ambient Assisted Living (AAL). Bestimmte Funktionen wie Licht oder Rollläden lassen sich fernsteuern (auch per Smartphone) oder laufen per Programmierung automatisch ab und entlasten so die Bewohner. Shanna Weiser, Leiterin Demografie bei der Wolfsburg AG, ist zuversichtlich, dass AAL-Techniken und -Systeme zunehmend populär werden. "Das ist wie mit einem Navigations-System. Wenn man es erst einmal getestet hat, möchte man es nicht mehr missen."

All das ist mit Kosten verbunden. Die KfW-Bank fördert die nachträgliche Schaffung von Barrierefreiheit mit dem Programm 159 "Altersgerecht Umbauen". Ein sehr zinsgünstiges Darlehen in Höhe von bis zu 50.000 Euro pro Wohneinheit kann beantragt werden. Auch AAL-Systeme sind förderfähig.

Schon Einzellösungen wie motorisierte Rollläden, die per Fernbedienung oder Zeitschaltuhr gesteuert werden können, stellen eine erhebliche Entlastung im Alltag dar. Für die Vermeidung von Stürzen sollte die Bedeutung einer automatischen Lichtsteuerung nicht unterschätzt werden. Bewegungs- oder Präsenzmelder reagieren sofort und sorgen für Helligkeit beim ersten Schritt, was das Suchen von Lichtschaltern erspart. Auch eine Türsprechanlage mit Videokamera ist eine hilfreiche Einrichtung. Je nach körperlicher und seelischer Verfassung der Bewohner kann die intelligente Ausstattung des Hauses durch Hilfe von außen ergänzt werden. Denn auch bei bester häuslicher Ausstattung ist eine gebrechliche Person nicht immer in der Lage, sich selbst zu helfen. Dann ist es gut, wenn eine Außenstelle per Knopfdruck um Hilfe gebeten werden kann.


Redaktion: Britta Barlage