Förderkürzungen bei Photovoltaik geplant – warum sich frühe Planung jetzt lohnt
Wer jetzt sein Wohneigentum mit Photovoltaik ausstatten möchte, kann noch auf gute Fördervoraussetzungen bauen. Rechtzeitige Planung und gute Finanzierungsberatung helfen bei der Umsetzung.
Die Bundesregierung plant Änderungen zuungunsten von Betreibenden von Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen) bei der Förderung. So möchte Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche die Einspeisevergütung für PV-Strom, der von der PV-Anlage ins Netz geht, komplett streichen. Das Wirtschaftsministerium nennt als Grund für die geplante Streichung, PV-Anlagen rechneten sich auch ohne Förderung. Nach dem Willen der Bundesnetzagentur sollen Besitzende von PV-Anlagen zudem ab 2029 einen höheren Grundpreis an die Netzbetreibenden entrichten als Haushalte ohne PV-Anlage. (Balkonsolaranlagen sollen davon ausgenommen sein.) Kritik ließ nicht lange auf sich warten. So spricht zum Beispiel der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW Solar) von einem „Frontalangriff auf die Energiewende“. Da die Einspeisevergütung frühestens Anfang 2027 gestrichen werden soll, können Kaufinteressierte und Immobilienbesitzende mit bevorstehender Anschlussfinanzierung, die sich eine PV-Anlage anschaffen möchten, dieses Projekt jetzt noch zu den aktuellen Fördermöglichkeiten planen und umsetzen.
Das Portal Verivox beziffert die Anschaffungskosten für eine PV-Anlage auf etwa 8.000 bis 24.000 Euro (inkl. Montage). Die Kosten seien abhängig von den Bedingungen vor Ort und vom Leistungsumfang der Anlage (zum Beispiel mit/ohne Batteriespeicher). Anlagenanbieter Priwatt nennt als Preis für eine typische Einfamilienhaus-PV-Anlage mit einer Spitzenleistung von zehn Kilowatt peak (kWp) und einem Speicher mit einer Kapazität von zehn Kilowattstunden (kWh) gut 12.000 Euro. Laut Priwatt amortisieren sich die Investitionskosten in sechs bis zehn Jahren. Die Wirtschaftlichkeit hängt jedoch stark von mehreren Faktoren ab wie Anlagengröße, Sonnenertrag und Grad der Selbstnutzung. Auf jeden Fall sollten Interessierte mehrere Angebote einholen und prüfen, welche Komponenten und Leistungen in den genannten Preisen genau enthalten sind. Eine Anlage mit Batteriespeicher ist zu empfehlen, da auf diese Weise der Solarüberschuss, der vor allem im Sommer erzeugt wird, zwischengelagert und zu einem geeigneten Zeitpunkt genutzt werden kann. Daher lohnt es sich auch, auf ein gutes Energiemanagementsystem zu achten. Dieses sorgt dafür, dass alle Komponenten optimal miteinander vernetzt sind. Das ist dann besonders wichtig, wenn große Stromverbraucher wie Wärmepumpe und E-Auto, das über die eigene Wallbox geladen wird, zum Haushalt gehören. Das Energiemanagement sorgt dafür, dass der Eigenverbrauch des Solarstroms optimiert wird, sodass möglichst wenig teurer Netzstrom bezogen werden muss.
Die meisten PV-Interessierten planen mit staatlicher Förderung. Diese setzt bereits beim Kauf und der Montage der PV-Anlage ein, denn die Anschaffung einer Anlage ist seit 2023 von der Mehrwertsteuer befreit. Auch der Eigenverbrauch des selbst erzeugten Sonnenstroms ist umsatzsteuerfrei. Allerdings nur dann, wenn der Anteil des ins Netz eingespeisten überschüssigen Stroms unter 10 % bleibt. Diese Stromeinspeisung wird mit einer Vergütung gefördert. Aktuell erhalten PV-Anlagenbesitzende für eine Kilowattstunde (kWh) Solarstrom 12,34 Ct., wenn sie den selbst erzeugten Strom komplett ins Netz einspeisen. Für Verbraucherinnen und Verbraucher, die einen Teil des PV-Stroms selbst nutzen und einen Teil ins Netz einspeisen, beträgt der Fördersatz 7,78 Ct pro kWh. Ab 1. August 2026 reduzieren sich die Sätze um ein Prozent.
Auch für die Finanzierung einer PV-Anlage kann staatliche Förderung in Anspruch genommen werden. Die KfW-Förderbank bietet für Kauf und Installation einer Anlage im Programm 270 „Erneuerbare Energien – Standard“ Darlehen mit Laufzeiten bis zu 30 Jahren und Zinsbindungen von maximal 20 Jahren. Das bietet langfristige Sicherheit und Kalkulierbarkeit. Allerdings sind die Zinssätze nicht besonders attraktiv. Für eine zehnjährige Zinsbindung bei zehnjähriger Laufzeit ist für das Darlehen ein Sollzins von 3,91 % zu entrichten (effektiv 3,97 %). Wer eine 20-jährige Zinsbindung bei 20-jähriger Laufzeit wünscht, muss 4,71 % Sollzins zahlen (effektiv 4,80 %; alle Angaben für Aufdach-Anlagen, Stand 10.6.2026). Die genannten Zinssätze gelten nur bei „ausgezeichneter“ Bonität der Antragstellenden. Schon bei „sehr guter“ Bonität muss mit einem Zuschlag von 0,1 % bis 0,4 % gerechnet werden. Eventuell bietet das betreffende Bundesland eine günstigere Förderung an als die KfW.
Angesichts von Darlehenszinsen von aktuell 3,90 % für zehnjährige Zinsbindungen und 4,21 % für 20-jährige Zinsbindungen auf allgemeine Baudarlehen (Stand 15.6.2026) sollten sich PV-Interessierte überlegen, ob sie nicht ihr Baudarlehen erhöhen, um die Anschaffung der PV-Anlage mitzufinanzieren. Auch Anschlussfinanzierende könnten ihre Restschuld für den Folgekredit eventuell erhöhen, um künftig Solarstrom produzieren zu können. Eventuell kann auch eine Schenkung von den Eltern oder Großeltern für die Anschaffung einer PV-Anlage genutzt werden. Eine weitere Möglichkeit, die PV-Anlage zu finanzieren, besteht darin, einen angesparten Bausparvertrag zu nutzen und das Bauspardarlehen in Anspruch zu nehmen. Egal, welche Variante gewählt wird: Wichtig ist in jedem Fall eine gute Finanzierungsberatung und – wie schon bei der PV-Anlage selbst – das Einholen mehrerer Angebote.
Verwendete Quellen
- Bundesnetzagentur: Bundesnetzagentur stellt aktuelle Überlegungen zur Reform der Netzentgeltsystematik Strom vor und EEG-Förderung und Fördersätze
- Tagesschau: Streit über geplante Kürzung bei Hausdachanlagen
- Bundesverband Solarwirtschaft e. V.: Solarbranche warnt vor Kahlschlag beim Solarausbau
- Verivox: Photovoltaik-Preise 2026
- Priwatt Energiesysteme GmbH: Kosten PV-Anlage mit Speicher: bis zu 70 % Förderung und Staatliche Förderung Photovoltaik: So sicherst Du Dir Zuschüsse und Steuervorteile
- Hager Vertriebsgesellschaft mbH & Co. KG: flow - Das EnergiemanagementSystem
- Finanztip: Wie Deine PV-Anlage steuerfrei und ohne Finanzamt läuft
- Enpal B.V.: Aktuelle Einspeisevergütung 2026: Das ändert sich jetzt
- KfW: Konditionenübersicht für Endkreditnehmer