Energieeffizienz wird zum dritten Wertfaktor am Immobilienmarkt
Gestiegene Energiepreise wirken sich deutlich spürbar am Immobilienmarkt aus: Laut einer aktuellen Studie erzielen energieeffiziente Gebäude bis zu 40 % höhere Preise, während Häuser mit schlechter Energiebilanz an Wert verlieren – was Verhandlungschancen für Kaufinteressierte eröffnet. Innovative Sanierungskonzepte ermöglichen zudem rasche Modernisierungen.
Die Lage einer Immobilie spielt seit jeher eine zentrale Rolle für deren Werterhalt. Aus dem Mantra Lage, Lage, Lage ist jedoch inzwischen die Formel Lage, Lage, Energieeffizienz geworden. Wie eine Datenstudie der Plattform ImmobilienScout24 im Auftrag des Bundesverbands energieeffiziente Gebäudehülle e. V. (Buveg) ergeben hat, erzielen Wohngebäude in Deutschland mit hoher Energieeffizienz deutlich höhere Preise am Immobilienmarkt als unsanierte Vergleichsobjekte. Für die Studie hat ImmobilienScout24 mehr als 310.000 Inserate aus dem Jahr 2025 analysiert. Den durchschnittlichen Wertzuwachs als Folge einer energetischen Sanierung beziffert die Studie – über alle Baualtersklassen und Regionen hinweg – bei 23 %. In der Spitze erzielten energieeffiziente Immobilien bis zu 40 % höhere Marktpreise. Dabei habe es keine Rolle gespielt, ob sich die Immobilien in Städten, verdichteten Umlandlagen oder im ländlichen Raum befanden. Im Umkehrschluss bedeutet das Ergebnis der Datenanalyse, dass Immobilieninteressierte gute Chancen haben, den Kaufpreis für ältere, unsanierte Objekte spürbar zu drücken. Nach einer Studie des Immobiliendienstleisters Wüest Partner liegen die Preise von Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern um durchschnittlich 107 Euro pro Quadratmeter niedriger als bei Immobilien mit guter Energieeffizienz, bei Mehrfamilienhäusern betrage der Unterschied 118 Euro pro Quadratmeter.
Warum viele Eigentümer trotzdem nicht sanieren
Trotz der bestehenden Wertsteigerungspotenziale scheuen viele Immobilienbesitzende vor einer Sanierung zurück. Laut Buveg lag die Sanierungsquote im Jahr 2024 bei 0,7 %. Mindestens 2 % wären jedoch erforderlich, um den Gebäudebestand „zukunftsfähig“ zu machen. Neben den für viele unüberschaubaren Kosten einer Sanierung hält auch deren Dauer und die damit verbundenen Unannehmlichkeiten wie Lärm und Dreck viele Eigentümerinnen und Eigentümer davon ab, ihr Eigentum energetisch auf Vordermann zu bringen.
Sanierungssprint: Vollsanierung in 22 Arbeitstagen
Hier setzt das Konzept „Sanierungssprint“ an, das der Bauingenieur Ronald Meyer entwickelt hat. Dank optimierter Planung, streng getakteter Arbeitsschritte und standardisierter Materialpakete sollen Kosten und Zeit eingespart werden. Etwa ein Dutzend Ein- oder Zweifamilienhäuser sind auf Basis dieses Konzepts in 22 Arbeitstagen vollständig saniert worden. Zu den geleisteten Verbesserungen gehören unter anderem der Austausch der Heizung und der Fenster sowie die Dämmung von Gebäudehülle und Dach.
Voraussetzung für das Gelingen des Vorhabens ist die Beauftragung eines „Sanierungscoaches“, der alle Prozesse koordiniert und überwacht. Für die Maßnahmen können zudem Fördermittel beantragt werden. Auch Sanierungen, die energetisch nicht von Belang sind, wie zum Beispiel ein neues Bad oder eine neue Küche, lassen sich in den Bauzeitenplan integrieren. Ronald Meyer hat seine Tipps und Erfahrungen jetzt in dem Ratgeberbuch „Der Sanierungssprint – 22 Tage, die alles verändern“ zusammengefasst, das im März erscheinen wird. Auch der Fertighausanbieter Baufritz möchte Modernisierungsprozesse beschleunigen und setzt dafür auf im Werk digital geplante und passgenau vorgefertigte Fassadenelemente. Diese sollen auf der Baustelle innerhalb weniger Tage von den eigenen Monteuren samt Dämmung und Fenstern angebracht werden.
Was bedeutet das für Ihre Baufinanzierung?
Ob Kauf einer unsanierten Immobilie mit Sanierungspotenzial oder energetische Modernisierung des Eigenheims: Beides hat direkte Auswirkungen auf die Finanzierung. Kaufinteressierte sollten den Sanierungsbedarf bei der Kreditplanung von Anfang an berücksichtigen und ihn gleichzeitig als Verhandlungsargument nutzen, denn unsanierte Immobilien lassen sich oft zu einem spürbar niedrigeren Preis erwerben. Empfehlenswert ist es, die voraussichtlichen Sanierungskosten direkt in die Baufinanzierung zu integrieren – am besten gemeinsam mit einer Beraterin oder einem Berater geplant. Das kann oft günstiger sein, als Modernisierungsmaßnahmen später separat zu finanzieren, und Sie profitieren von Anfang an von den niedrigeren Energiekosten und vom neuen Wohngefühl. Wer bereits Eigentümerin oder Eigentümer ist, kann Sanierungsmaßnahmen über einen Modernisierungskredit oder die Anschlussfinanzierung abbilden, oft kombiniert mit KfW-Fördermitteln.
Verwendete Quellen
- BuVEG: Studie: Energieeffiziente Immobilien erzielen bis zu 40 % höhere Marktpreise – Wertzuwachs beschleunigt sich
- ImmoScout24: Unsanierte Wohnungen verlieren an Wert
- Bauingenieur Meyer: Startseite
- Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg: Sanierungssprint
- ING: Sanierungssprint
- Zukunft Altbau: Sanierungssprint: energetische Rundumsanierung in 22 Werktagen und Baden-Württembergs erster Sanierungssprint erfolgreich abgeschlossen
- Architektenkammer Baden-Württemberg: Online-Fortbildung: Sanierungspflicht
- Wüstpartner: Die Wirkung von Nachhaltigkeit auf Immobilienwerte