Chancen für Preisverhandlungen
von Jan Gerke, Senior Desk FinanzierungsberaterDie höheren Bauzinsen lassen die Immobilienpreise stagnieren, in den Metropolen geben sie sogar nach. Gleichzeitig steigen die Mieten deutlich. Für Kaufinteressierte eröffnet das Spielraum bei Preisverhandlungen.
Die Bauzinsen sind im Lauf des Jahres 2026 spürbar gestiegen. Waren im März 10-jährige Zinsbindungen noch für rund 3,6 % zu haben, sind es aktuell ca. 4,3 %. Bei einem Kredit von 300.000 Euro und 2 % Tilgung zahlen Haushalte jetzt monatlich rund 1.585 Euro statt 1.400 Euro (+13,2 %). Das wirkt sich auf die Immobilienpreise aus, wie der Wohnindex des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) für das dritte Quartal 2026 zeigt. Eigentumswohnungen kosteten demnach 0,3 % mehr als ein Jahr zuvor, Ein- und Zweifamilienhäuser 0,4 % mehr. Gegenüber dem Höchststand von 2022 liegen die Preise gut 10 % niedriger. In den sieben teuersten Städten sanken die Preise binnen eines Jahres sogar: bei Wohnungen um fast 1 %, bei Häusern um mehr als 2 %. Besonders stark fielen sie in Stuttgart (−3,9 %), Berlin (−2,0 %) und Köln (−1,3 %).
IW-Immobilienexperte Prof. Dr. Michael Voigtländer sieht die gestiegenen Zinsen als Ursache. Sie trieben zahlungskräftige Haushalte zurück auf den Mietmarkt. Zudem verteuerten hohe Energiepreise das Bauen, sodass weniger neu gebaut werden dürfte. Innerhalb eines Jahres stiegen die Mieten bundesweit um 4,5 %, im Umland der Metropolen sogar um 5,2 %.
Auch laut Interhyp-Immobilienpreisindex sind die Preise seit Juli gesunken, bundesweit um rund 0,7 %. In den Metropolen fiel das Minus stärker aus: München (−1,5 %), Berlin und Leipzig (je −1,3 %), Frankfurt (−1,0 %), Stuttgart (−0,9 %), Hamburg und Köln (je −0,8 %). Grund dürften die gestiegenen Zinsen sein, die den finanziellen Spielraum vieler Kaufinteressierter einschränken.
Damit könnte der Verhandlungsspielraum gewachsen sein, vor allem bei Bestandsimmobilien. Kaufinteressierte können davon profitieren, wenn sie gut vorbereitet in Verhandlungen gehen. Es kann sich lohnen, auch Objekte mittlerer Effizienzklassen in Betracht zu ziehen und eine Sanierung von Anfang an einzuplanen. Eine frühzeitige Finanzierungsberatung hilft dabei, schnell handlungsfähig zu sein, sobald das passende Objekt gefunden ist. Auf weiter fallende Preise zu warten, ist dagegen wenig verlässlich, denn ob der Rückgang anhält, ist offen. Wichtiger ist die Frage, ob Immobilie und Finanzierung langfristig zum eigenen Budget passen. Beim aktuellen Zinsniveau kann sich ein genauer Vergleich verschiedener Angebote und Finanzierungsmodelle besonders lohnen.
Verwendete Quelle
IW Köln: IW-Wohnindex: Kaufpreise in den sieben teuersten Städten sinken(öffnet in neuem Fenster)