Noch keine Trendwende, aber ein gutes Signal
von Helen Linder, Teamleiterin FinanzierungsberatungBei den Baugenehmigungen für Wohnimmobilien geht es aufwärts. Die Fertigstellungen hinken allerdings noch hinterher. Geplante rechtliche Bestimmungen sollen die Bautätigkeit beschleunigen.
Während das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in seiner Herbstprognose die Wachstumserwartung insgesamt angehoben hat, gilt das nicht für die Baukonjunktur. Demnach sinken die Bauinvestitionen 2026 um ein Prozent, vor allem wegen des kriselnden Wohnungsbaus sowie steigender Baukosten und Zinsen
. Zumindest aber hat die Zahl der Baugenehmigungen an Fahrt aufgenommen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, wurden im Zeitraum Januar bis Juli 2026 12,9 % mehr Wohnungen genehmigt als im Vorjahreszeitraum. Das Plus betrifft sowohl Einfamilienhäuser (+9,7 %) als auch Zweifamilienhäuser (+25,0 %) und Wohnungen in Mehrfamilienhäusern (+15,1 %). Vor allem Wohnungen in Neubauten legten zu (+13,5 %), etwas geringer fiel das Wachstum mit 8,9 % bei Umbaumaßnahmen im Bestandsbau aus. Interhyp-Vorstandsvorsitzender Jörg Utecht sieht ob der Genehmigungszahlen zwar Anlass für vorsichtigen Optimismus
, doch eine Trendwende sei noch nicht in Sicht. Denn: Genehmigt heißt noch nicht gebaut
. Das Münchener ifo Institut verweist als Teil der Forschergruppe Euroconstruct auf die rückläufigen Fertigstellungszahlen. Für 2026 rechnen die Forscherinnen und Forscher mit 185.000 und für 2027 mit 195.000 fertiggestellten Wohneinheiten – deutlich weniger als die 2025 gebauten 207.000 Wohnungen.
Ein Grund für die langsame Erholung ist laut ifo Institut die lange Zeitspanne zwischen Genehmigung und Fertigstellung: Sie hat sich seit Beginn des Jahrzehnts um etwa ein halbes Jahr auf 27 Monate verlängert. Hinzu kommen die gestiegenen Zinsen, die mit 4,41 % für zehnjährige Zinsbindungen ein 15-Jahres-Hoch erreicht haben (Stand 01.10.2026). Das und die hohen Preise für Rohstoffe machen den Markt sowohl für Bauträger als auch Kaufinteressierte herausfordernder. Auch der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie verweist auf die hohen Baukosten, die in Kombination mit den gestiegenen Zinsen und schwierigen Finanzierungsbedingungen Investoren und Bauherren unter Druck setzten. Der Verband sieht zwar die positive Entwicklung bei den Genehmigungen als wichtiges Signal, gibt aber zu bedenken, dass die Bauunternehmen beim realen Auftragseingang ein Minus verzeichneten.
Utecht erhofft sich in der schwierigen Marktphase politische Impulse
und erachtet die möglichst schnelle rechtliche Absicherung des Gebäudetyps E als sehr wichtig (E steht für einfach oder experimentell). Dieser vereinfachte Baustandard soll schnelleres Bauen ermöglichen. Während die hierfür erforderlichen zivilrechtlichen Gesetzesänderungen noch nicht beschlossen sind, wird das Prinzip des einfacheren Bauens bereits in Pilotprojekten erprobt. Parallel zum Gebäudetyp E möchte das Bundesbauministerium mit dem sogenannten Baugesetzbuch-Upgrade eine Beschleunigung der Planungsphase und des Wohnungsbaus erreichen. Unter anderem soll ein überragendes öffentliches Interesse für den Wohnungsbau
Kommunen mit angespanntem Wohnungsmarkt bei der Erstellung von Bebauungsplänen mehr Handlungsspielraum ermöglichen. Nach dem Kabinettsbeschluss von Ende Mai wird das Inkrafttreten des Upgrades aktuell zum 1. Januar 2027 erwartet.
Verwendete Quellen
- Bauindustrie: Pressemitteilung Baugenehmigungen (PDF)(öffnet in neuem Fenster)
- Bayerische Architektenkammer: Gebäudetyp-e(öffnet in neuem Fenster)
- Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen: Baugesetzbuch-Upgrade(öffnet in neuem Fenster)
- Die Bundesregierung: Novelle des Baugesetzbuchs(öffnet in neuem Fenster)
- ifo Institut: Wohnungsbau in Deutschland erneut rückläufig(öffnet in neuem Fenster)
- Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V.: IW-Konjunkturprognose: Überraschendes Wachstum, breite Erholung bleibt aus(öffnet in neuem Fenster)
- LinkedIn Post von Jörg Utecht: Steigende Genehmigungszahlen: Kommt der Wohnungsbau wieder in Tritt?(öffnet in neuem Fenster)
- Statistisches Bundesamt: Baugenehmigungen für Wohnungen im Juli 2026: +1,9 % zum Vorjahresmonat(öffnet in neuem Fenster)