Mit guter Bonität zum günstigeren Immobiliendarlehen
Wer auf eine gute Kreditwürdigkeit achtet, erhält bessere Konditionen für das Immobiliendarlehen. Die Wirtschaftsauskunftei Schufa macht es Kaufinteressierten und Anschlussfinanzierenden seit März 2026 leichter, sich ein Bild über die eigene Bonität zu machen.
Die eigenen finanziellen Angelegenheiten in einem ordentlichen Zustand zu halten ist für alle Haushalte ein wichtiges Unterfangen. Vor allem Immobilieninteressierte, die für ihr Wohneigentum ein Darlehen aufnehmen möchten, profitieren von einer soliden Finanzhistorie. Denn je ordentlicher die Finanzen, umso besser die Zinskonditionen und desto höher der mögliche Kreditbetrag. Die Kreditwürdigkeit (Bonität) hängt von vielen Faktoren ab und kann sich durch Missgeschicke rasch verschlechtern: Eine Rechnung zu spät überwiesen, den Dispokredit überzogen, mehrere Ratenkredite, die abbezahlt werden müssen – und schon stehen Menschen, die ein Immobilien- oder Anschlussdarlehen beantragen, schlechter da.
Der Grund: Onlinehändler, Telekommunikationsanbieter, Banken und andere Firmen arbeiten mit sogenannten Auskunfteien zusammen. Das sind Unternehmen, die Daten zum finanziellen Gebaren von Privatpersonen und Unternehmen sammeln und speichern, um deren Kreditwürdigkeit und Zahlungsmoral zu beurteilen. Das Berechnungsergebnis ist der sogenannte „Score“. Gegen Entgelt geben die Auskunfteien die gesammelten Informationen an ihre Partnerfirmen weiter.
In der Vergangenheit kam es immer wieder zu Beschwerden über die errechneten Scores. Vor allem die nicht veröffentlichten Bewertungsmaßstäbe und deren unklare Gewichtung standen in der Kritik. Die Schufa hat daraus jetzt die Konsequenzen gezogen und das Scoring-Verfahren neu und vor allem transparent aufgestellt. Seit März 2026 können Verbraucherinnen und Verbraucher bei der Schufa übers Internet oder per App einen Account einrichten und dann ihren Score abrufen – kostenlos. Dazu hat die Schufa das Berechnungsverfahren neu gestaltet: Anhand von zwölf Kriterien, die mit unterschiedlichen Punktzahlen ausgestattet sind, können alle Interessierte selbst nachrechnen, ob der von der Schufa ermittelte Score korrekt ist. Am stärksten fallen Zahlungsstörungen bzw. deren Vermeidung ins Gewicht: Wer alle Rechnungen und Verpflichtungen stets pünktlich beglichen hat, erhält 264 Punkte für seinen Score. Häufige Anfragen nach Girokonten und Kreditkarten und entsprechende Vertragsabschlüsse können sich negativ auswirken, weil ein solches Verhalten statistisch betrachtet das Zahlungsrisiko erhöht. Wer umgekehrt keine solchen Anfragen oder Abschlüsse getätigt hat, sammelt 117 Punkte. Zusätzlich wird die Treue zum Girokonto (69 Punkte nach 20 Jahren) und zur Kreditkarte (81 Punkte nach 15 Jahren) belohnt.
Manche Kriterien werden nicht allen Verbraucherinnen und Verbrauchern gefallen. Wer seinen Wohnsitz häufig wechselt, etwa aus beruflichen Gründen, muss Punktabzüge in Kauf nehmen. Eine Wohndauer von erst zwei Jahren am aktuellen Ort bringt beispielsweise nur 28 Punkte. Sesshafte mit 20 Jahren und mehr an der gleichen Adresse bekommen hingegen 94 Punkte gutgeschrieben. Gute Nachricht für Anschlussfinanzierende: Wer einen Immobilienkredit bedient, erhält 55 Punkte gutgeschrieben, weil Menschen, die ein Darlehen abbezahlen, als besonders zuverlässig gelten.
Es empfiehlt sich für Immobilieninteressierte, sich rechtzeitig um einen optimalen Score zu kümmern – am besten sechs bis zwölf Monate vor dem Erwerb von Wohneigentum. Ungenutzte Konten und Kreditkarten am besten abwickeln, Dispokredite möglichst nicht in Anspruch nehmen und Überziehungen vermeiden, Rechnungen stets pünktlich bezahlen – das sind einige Punkte, die beachtet werden sollten. Beim Angebotsvergleich für Immobilien- und Anschlussdarlehen sollten zunächst nur Konditionenanfragen gestellt werden, denn diese wirken sich nicht auf den Schufa-Score aus. Die eigentliche Kreditanfrage sollte erst dann erfolgen, wenn sich Immobilieninteressierte und Anschlussfinanzierende für ein bestimmtes Angebot entschieden haben.