Wohneigentum in jungen Jahren: anspruchsvoll, aber machbar
von Philipp Derichs, Senior Desk FinanzierungsberaterMit guter Planung und effizientem Sparen lässt sich der Traum von der eigenen Immobilie trotz der angespannten Lage am Immobilienmarkt auch schon in einer frühen Lebensphase realisieren.
Der Wunsch nach den eigenen vier Wänden ist bei vielen jungen Menschen ungebrochen. Nach Angaben von Philipp Kaldelke, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Dortmund, würden acht von zehn jungen Menschen gerne im Wohneigentum leben. Gleichzeitig haben gestiegene Immobilienpreise, höhere Eigenkapitalanforderungen der Kreditinstitute und höhere Zinsen den Weg ins Wohneigentum anspruchsvoller gemacht, wie neuere Studien des Instituts der deutschen Wirtschaft IW Köln und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung DIW Berlin belegen.
Trotz allem: Auch wenn die Rahmenbedingungen für den Immobilienerwerb herausfordernder geworden sind und der Eigentumserwerb relativ häufig von der sozialen Herkunft abhängt, gibt es auch für junge Menschen weiterhin Wege ins Wohneigentum. Entscheidend für das Gelingen des Projekts ist es, sich frühzeitig mit der Thematik zu beschäftigen und systematisch vorzugehen. Die folgenden Punkte können ein Wegweiser sei, der jedoch immer auf die individuelle Situation abgestimmt werden muss.
Am Anfang steht ein Kassensturz, um die eigenen Möglichkeiten frühzeitig auszuloten und die Finanzierung strategisch vorzubereiten. Wie viel verdiene ich, wie hoch sind meine monatlichen Ausgaben? Am besten führt man über ein paar Monate oder länger ein Haushaltsbuch. Das kann heute bequem per App erledigt werden. So entsteht ein Gefühl dafür, welches Budget zuverlässig zur Verfügung steht und welcher Betrag eventuell monatlich zur Seite gelegt werden kann.
Bleibt jeden Monat etwas übrig, sollte ein Teil davon regelmäßig angespart werden. Viele Haushalte scheitern wegen des fehlenden oder zu geringen Eigenkapitals am Immobilienerwerb. Gerade junge Menschen sollten deshalb möglichst frühzeitig aktiv werden und diszipliniert sparen. Schon kleinere, aber regelmäßige Sparbeträge können langfristig helfen, die Kaufnebenkosten oder einen Teil der Finanzierung abzudecken. Vielleicht stocken die Eltern oder Großeltern den Sparbetrag regelmäßig auf oder schenken auch einmal einen höheren Betrag. In jungen Jahren ist das Einkommen oft noch nicht sehr hoch, sodass auch staatliche Förderungen wie Vermögenswirksame Leistungen des Arbeitgebers und die Arbeitnehmer-Sparzulage in Anspruch genommen werden können. Das verbessert die Sparrendite zusätzlich.
Mit einem guten Überblick über die eigenen Finanzen empfiehlt es sich, eine Finanzierungsberatung in Anspruch zu nehmen. Das ist auch dann sinnvoll, wenn noch keine konkrete Immobilie zur Auswahl steht. In einem Beratungsgespräch lässt sich analysieren, welcher Kaufpreis heute oder in einigen Jahren realistisch ist und wie sich die Ausgangsposition für eine Finanzierung bei einem späteren Kauf eventuell optimieren lässt. Wer über ein schlüssiges Finanzierungskonzept verfügt, kann schnell reagieren, wenn plötzlich das Wunschobjekt auf dem Markt angeboten wird.
Eine frühzeitige Beratung ist auch deshalb ratsam, weil dann analysiert werden kann, inwieweit sich staatliche Fördermittel in das Finanzierungskonzept integrieren lassen. Besonders für die Verbesserung der Energieeffizienz gibt es attraktive Programme. Zuschüsse und günstige Darlehenszinsen ermöglichen vielen Haushalten den Immobilienerwerb. Neben der KfW-Bank und dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) haben auch die Bundesländer attraktive Programme für den Bau oder Kauf einer eigenen Immobilie aufgelegt.
Junge Menschen sollten eine gewisse Offenheit mitbringen in Bezug auf Wohnort und Immobilie. Muss es der gefragte Kiez in der Großstadt sein oder gibt es attraktive Alternativen? Oft eröffnen sich bereits wenige Kilometer außerhalb besonders beliebter Lagen deutlich bessere Kaufchancen. Auch sollten Berufsanfängerinnen und -anfänger überlegen, ob es gleich eine große Wohnung sein muss. Eine interessante Option könnte eine kleine Wohnung oder ein Apartment sein. In späteren Jahren, wenn die Lebensplanung klarer und das Einkommen höher ist, lässt sich immer noch der Traum von einer größeren Immobilie verwirklichen.
Fazit: Der Erwerb von Wohneigentum ist für viele junge Menschen anspruchsvoller geworden als für frühere Generationen. Unerreichbar ist es deshalb aber nicht.
Verwendete Quellen
DIW Berlin: Wohneigentum hängt in Deutschland immer noch stark von den Eltern ab(öffnet in neuem Fenster)
Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V.: „Generation Miete”: Junge Menschen wohnen seltener im Eigenheim(öffnet in neuem Fenster)
Statistisches Bundesamt: Festgesetzte Erbschaft- und Schenkungsteuer erreicht 2025 mit 21,4 Milliarden Euro neuen Höchstwert(öffnet in neuem Fenster)