Noch keine nachhaltige Entspannung am Wohnungsmarkt
von Helen Linder, Teamleiterin FinanzierungsberatungDer Wohnungsbau sendet unterschiedliche Signale: Während wieder mehr Wohnungen genehmigt werden, verharren die Fertigstellungen noch auf niedrigem Niveau.
Wohnraum ist knapp, doch zumindest bei den Baugenehmigungen geht es aufwärts. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, sei im Mai 2026 der Bau von 21.000 Wohnungen genehmigt worden und damit 24,7 % oder 4.200 Baugenehmigungen mehr als im Mai 2025. Auch für den Zeitraum Januar bis Mai 2026 verzeichnet das Bundesamt steigende Zahlen. In den ersten fünf Monaten seien 104.700 Wohnungen genehmigt worden, 15,4 % oder 13.900 Wohnungen mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Zahlen umfassen sowohl Neubauten als auch neue Wohnungen in Bestandsbauten.
Gleichzeitig verweist Destatis darauf, dass im Jahr 2025 nur 206.600 Wohnungen fertiggestellt wurden – nach einem Rekord von 306.400 Wohnungen im Jahr 2020. Außerdem habe sich der Zeitraum von der Genehmigung bis zur Fertigstellung einer Wohnung von 20 Monaten im Jahr 2020 auf 27 Monate im Jahr 2025 erhöht. Der Immobilienverband Deutschland IVD sieht daher trotz steigender Baugenehmigungen keine Entspannung am Wohnungsmarkt und verweist auf die Lücke zwischen genehmigten Projekten und tatsächlich fertiggestellten Wohnungen. Durch staatliche Vorgaben und Besteuerung seien viele Wohnungsbau-Projekte nicht mehr wirtschaftlich zu realisieren.
Das Münchener Ifo-Institut registriert eine sich zunehmend verschlechternde Stimmung in der Bauwirtschaft. Trotz steigender Baugenehmigungen leide die Branche unter mangelnder Nachfrage, hoher Stornierungsquote und Engpässen bei der Materialversorgung. Die Ifo-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler rechnen für 2026 und 2027 mit etwa 185.000 bzw. 195.000 fertiggestellten Wohnungen. Erst 2028 werde das Niveau 2025 übertroffen. Erschwerende Faktoren seien der Iran-Krieg und die Inflation am Bau. Auch die Situation am Mietmarkt sei eine Ursache für den zu geringen Wohnungsbau. Strenge und komplizierte Vorgaben in puncto Mieterhöhungen oder Modernisierungen bei gleichzeitig stark gestiegenen Instandhaltungskosten bremsten die Bereitschaft von Investorinnen und Investoren, in den Wohnungsbau zu investieren. Wer mit seinem Vermögen eine gute Rendite erzielen wolle, finde am Kapitalmarkt lukrativere Alternativen – ohne sich mit Hausversammlungen, Mieterwechseln, Modernisierungsvorhaben, Betriebskostenabrechnungen oder Erhaltungssatzungen auseinandersetzen zu müssen.
Verwendete Quellen
Statistisches Bundesamt: Baugenehmigungen für Wohnungen im Mai 2026: +24,7 % zum Vorjahresmonat(öffnet in neuem Fenster)
Statistisches Bundesamt: 18,0 % weniger fertiggestellte Wohnungen im Jahr 2025(öffnet in neuem Fenster)
ifo Institut: Wohnungsbau in Deutschland erneut rückläufig(öffnet in neuem Fenster)
ifo Institut: Europäischer Bau wächst 2026 um 2 % (PDF)(öffnet in neuem Fenster)
ifo Institut: Geschäftsklima im Wohnungsbau verschlechtert(öffnet in neuem Fenster)
ivd: Aufschwung im Wohnungsbau bleibt Wunsch und Theorie(öffnet in neuem Fenster)