Mit Flexibilität zum Wohneigentum
von Philipp Derichs, Senior Desk FinanzierungsberaterWer bereit ist, bei Alter, Lage, Energieeffizienz und Komfort der Immobilie Abstriche zu machen, hat Chancen, den Traum von der eigenen Immobilie zu leistbaren Preisen zu verwirklichen.
In den meisten Regionen sind Bestandswohnungen deutlich günstiger als Neubauwohnungen (Baujahr 2023-2025). Das geht aus dem „Wohnatlas 2026“1 hervor, den das Hamburgischen Weltwirtschafts-Institut (HWWI) für die Postbank erstellt hat. Das HWWI-Team hat für die Erhebung Eigentumswohnungen mit einer Größe von 70 Quadratmetern in 400 Land- und Stadtkreisen im mittleren und oberen Preissegment verglichen.* Im mittleren Bereich liegen die Preisunterschiede zwischen Neubau und Bestand in 49 der untersuchten deutschen Regionen bei 2.570 Euro oder mehr je Quadratmeter. Kaufinteressierte zahlen dort demnach einen Aufpreis von mindestens 180.000 Euro. Die Studie benennt aber auch 43 Regionen mit relativ moderatem Zuschlag. Dort zahlen Käuferinnen und Käufer für eine Neubauwohnung durchschnittlich 1.430 Euro je Quadratmeter mehr, maximal 100.000 Euro bei 70 Quadratmetern. In Spitzenlagen fällt der Preiszuschlag deutlich höher aus, zum Beispiel im Landkreis Miesbach (422.892 Euro). Von den sieben Metropolen gehört nur Stuttgart zu den Top 10 der höchsten Preisaufschläge (261.878 Euro, Platz 4).
Im oberen Preissegment fallen die durchschnittlichen Aufschläge für Neubauten im Schnitt nicht ganz so hoch aus wie im mittleren Preissegment. In den 66 Regionen mit den höchsten Preisunterschieden betrug der Unterschied 2.285 Euro pro Quadratmeter oder mindestens 160.000 Euro gesamt. Auch im Luxussegment liegt der Landkreis Miesbach mit einem Neubauzuschlag von knapp 500.000 Euro an der Spitze. Auf der anderen Seite gibt es im oberen Bereich 81 Land- und Stadtkreise mit geringen Aufschlägen, zum Beispiel Bamberg (17.160 Euro). In zwei Kreisen (Eifelkreis Bitburg-Prüm und Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge) kosten Neubau- und Bestandswohnungen durchschnittlich etwa gleich viel.
Eine Sondersituation hat das HWWI in den Küstenregionen Ost- und Nordfriesland sowie im Raum Rostock ausgemacht. Dort sind Neubauwohnungen des mittleren Preisniveaus zum Teil günstiger als Bestandswohnungen oder nur mit geringen Aufschlägen versehen. Als Grund nennen die Autorinnen und Autoren die Tatsache, dass Neubauten im mittleren Segment in diesen Gegenden eher in abgelegenen als in attraktiven Lagen gebaut werden. Wohnungen im oberen Preisbereich finden sich dagegen in besseren, küstennahen Lagen. So gehören hier die Landkreise Nordfriesland (mit Sylt) und Rendsburg-Eckernförde bundesweit zu den Top 10 bei den Preisaufschlägen für Neubauwohnungen.
Unabhängig von den Preisunterschieden haben Neubauten den Vorteil, dass sie energieeffizienter sind und auf absehbare Zeit keine Kosten für Sanierungen anfallen. Zudem sind Neubauwohnungen in der Regel moderner und komfortabler ausgestattet. Hier sind Kaufinteressierte jedoch bereit, Abstriche zu machen, wie eine aktuelle Wohnstudie2 des Marktforschungsinstituts Appinio im Auftrag des Portals Immobilienscout24 darlegt. Demnach würden 25 % der Kaufinteressierten bei einer ansonsten passenden Kaufimmobilie auf eine moderne Ausstattung verzichten. 24 % könnten sich auch eine Immobilie außerhalb des gewünschten Stadtgebiets vorstellen, 21 % könnten ohne zusätzliches Zimmer auskommen. Jeweils 20 % wären im Hinblick auf Wohnfläche oder Modernität des Badezimmers kompromissbereit.
Ähnlich pragmatisch zeigt sich die junge Generation: Laut der aktuellen Interhyp-Wohntraumstudie würden 65 % der kaufinteressierten 23- bis 30-Jährigen eine Immobilie weiter außerhalb oder in ländlicher Umgebung akzeptieren, 41 % mit weniger Wohnfläche auskommen und 40 % einen anderen Immobilientyp wählen.
* Für die Analyse im mittleren Preissegment wurde der Median aller Bestands- sowie aller Neubauwohnungen einer Region einander gegenübergestellt – also der Wert, über und unter dem jeweils 50 Prozent der Angebote liegen. Im oberen Preissegment wurden dagegen die teuersten zehn Prozent der Neubau- und Bestandswohnungen verglichen (jeweils ohne Nebenkosten).
Verwendete Quellen