Angespannte Lage am Mietmarkt
von Philipp Derichs, Senior Desk FinanzierungsberaterDas knappe Angebot an Mietwohnungen lässt die Mieten steigen. Auf der anderen Seite bieten stagnierende Kaufpreise Chancen für Immobilieninteressierte.
Die Lage am Mietmarkt bleibt angespannt. Zu diesem Ergebnis kommen drei aktuelle Studien. Laut Wohnbarometer des Portals ImmoScout24 stiegen die Angebotsmieten für Bestandswohnungen deutschlandweit im zweiten Quartal 2026 um 0,6 %. Im Jahresvergleich ergibt sich ein Plus von 2,7 % auf durchschnittlich 8,97 Euro pro Quadratmeter. Auch in den Metropolen bewegen sich die Quartalsveränderungen im moderaten Bereich von -0,2 % bis +0,8 %. Die Preisspanne pro Quadratmeter bewegt sich hier zwischen 8,97 Euro in Leipzig und 20,12 Euro in München. Einen kräftigen Anstieg verzeichnet ImmoScout24 bei den Nebenkosten in unsanierten Bestandswohnungen, die sich im Jahresvergleich um 3,8 % auf durchschnittlich 3,28 Euro pro Quadratmeter verteuerten. Bei den Neubaumieten hat ImmoScout24 einen Mietanstieg von 1 % im zweiten Quartal 2026 und von 1,8 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum errechnet. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis beträgt in diesem Segment jetzt 13,28 Euro. Spitzenreiter ist München mit 27,16 Euro. Für die Analyse hat das Portal mehr als 8,5 Millionen Inserate der letzten fünf Jahre auf ImmoScout24 ausgewertet.
Ähnliche Mietsteigerungen wie ImmoScout24 verzeichnet der vom Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) veröffentlichte GREIX-Mietpreisindex, der Bestands- und Neubau umfasst. Laut IfW betrug die Teuerungsrate im zweiten Quartal 2026 0,8 % gegenüber dem Vorquartal und im Jahresvergleich 3,0 %. Für die Erstellung des Indexes hat das Institut 37 deutsche Städte und Regionen untersucht, darunter die 30 bevölkerungsreichsten Städte. Das IfW beziffert den durchschnittlichen Quadratmeterpreis im Bestand auf 13,90 Euro und im Neubau auf 19 Euro. Für die letzten vier Quartale hat das Kieler Institut festgestellt, dass sich Wohnungen in teureren Städten tendenziell schneller vermieten lassen als in weniger angespannten Märkten.
Ein problematischeres Bild vom Mietwohnungsmarkt zeichnet der Wohnindex des Instituts der deutschen Wirtschaft IW Köln. Zum einen betrug die Mietsteigerung im zweiten Quartal 2026 laut Index 4,0 % im Vergleich zum Vorjahr. Zum anderen verzeichnen die Kölner Forscher ein deutlich knapper gewordenes Angebot an Mietwohnungen. Bundesweit würden knapp 12 % weniger Mietwohnungen inseriert als Anfang 2022. Besonders prekär sei die Lage in den Großstädten, wo das Mietangebot in der Spitze um bis zu 57 % zurückgegangen sei. Gegensätzlich stellt sich der Kaufmarkt dar. Angesichts einer Steigerung von 0,8 % im Vergleich zum Vorjahr (zweites Quartal) spricht das IW Köln von stagnierenden Kaufpreisen. Und: Bundesweit würden nahezu doppelt so viele Eigentumswohnungen und rund 140 % mehr Ein- und Zweifamilienhäuser inseriert als Anfang 2022. Das liege jedoch nicht an mehr Neubau, sondern daran, dass die seit der Zinswende höheren Finanzierungskosten den Kreis der potenziellen Kaufenden verkleinert und die Vermarktungszeiten verlängert hätten. Auf dem Mietmarkt wiederum führten die hohen Neuvertragsmieten dazu, dass viele Menschen auch dann in ihrer Wohnung blieben, wenn diese nicht mehr zu den aktuellen Lebensumständen passe.
Verwendete Quellen
ImmobilienScout24: Mietnachfrage legt in Metropolen wieder deutlich zu(öffnet in neuem Fenster)
Kiel Institut: Angebotsmieten wachsen real kaum noch, möblierte und unmöblierte Wohnungen mit vergleichbarer Preisdynamik(öffnet in neuem Fenster)
IW Köln: In Großstädten: Mietangebote seit 2022 um bis zu 57 Prozent eingebrochen(öffnet in neuem Fenster)