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veröffentlicht am 17. Januar 2023

Mit dem Abschluss eines Ökostromvertrags können Verbraucher mit dazu beitragen, dass die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energieträgern ausgebaut wird. Am besten gelingt dies mit einem Tarif, bei dem ein Teil des Strompreises direkt in die Förderung neuer Ökostrom-Projekte investiert wird.

Einfach erklärt: Was ist Ökostrom?

Photovoltaik produziert günstig Strom
Als Ökostrom bezeichnet man Strom, der aus erneuerbaren Energieträgern gewonnen wird. Erneuerbar ist ein Energieträger dann, wenn er nicht aus fossilen Rohstoffen besteht. Dies trifft auf Sonne und Wind zu, deren Energie sich praktisch unbegrenzt nutzen lässt. Aber auch die Energie von strömendem Wasser in Flüssen lässt sich für die Elektrizitätsproduktion anzapfen, ohne dass dafür Rohstoffe verbraucht werden.

Auch die Herstellung von Strom in Biomasse-Kraftwerken gilt als erneuerbar, weil die dabei verwendeten pflanzlichen Brennstoffe nachwachsen und somit innerhalb der natürlichen Wachstumsgrenzen ebenfalls erneuerbar sind.

Ökostrom und CO2-Ausstoß

Windräder produzierten grünen Strom
Ein wichtiger Aspekt beim Ökostrom ist der CO2-Ausstoß. Dieser ist beispielsweise bei Photovoltaik, Windkraftanlagen und Wasserkraftwerken im Betrieb gleich Null, weil bei der Stromgewinnung keine Verbrennung stattfindet.

Bei der Stromproduktion mit Gasturbinen oder -motoren kommt es darauf an, ob das bei der Verbrennung emittierte Kohlendioxid zuvor im Boden oder in der Atmosphäre war. Wird Erdgas verbrannt, entweicht das zuvor unterirdisch gebundene Kohlendioxid in die Atmosphäre und erhöht somit den CO2-Gehalt. Bei der Vergärung von Pflanzen zu Biogas ist das dabei entstehende Ökogas zwar in chemischer Hinsicht mit Erdgas weitgehend identisch. Doch weil die Pflanzen während des Wachstums Kohlendioxid aus der Luft absorbiert haben, bleibt die CO2-Bilanz unterm Strich neutral.

Einen Sonderfall stellt bei dieser Betrachtung der Atomstrom dar. Hier entsteht zwar bei der Stromproduktion kein Kohlendioxid, weil die Dampfturbinen durch die Hitze aus der Kernspaltung angetrieben werden. Doch weil der radioaktive Atommüll die Umwelt über Jahrhunderte belastet, lässt sich Atomstrom nicht als Grünstrom bezeichnen.

Ökostrom-Anteil in Deutschland

Strommix in Deutschland 2021
In Deutschland erreichten im Jahr 2021 die erneuerbaren Energieträger einen Anteil von knapp 45,8 % an der Stromproduktion. Mit einem Anteil von 23,1 % an der gesamten Stromproduktion entfiel die Hälfte des erneuerbaren Stroms auf Windkraft. Photovoltaikanlagen produzierten 9,1 % des in Deutschland eingespeisten Stroms, Biomasse-Kraftwerke 8,8 % und Wasserkraftwerke 4,0 %.

Im europäischen Vergleich nimmt Deutschland damit einen Platz im Mittelfeld ein. Weitaus weniger Grünstrom als hierzulande wird beispielsweise in Frankreich produziert, wo der Anteil der erneuerbaren Energieträger an der Stromversorgung lediglich bei 23,6 % liegt. Vorbildlich ist hingegen die Stromerzeugung in Dänemark, die im Jahr 2021 zu 68,6 % aus erneuerbarer Energie, insbesondere aus Windkraft, erfolgte.

Welcher Strom ist wirklich grün?

Auch CO2-neutraler Strom kann in gewissem Umfang Umweltprobleme mit sich bringen – insbesondere, wenn man die Auswirkungen auf die lokale Umwelt oder den Ressourcenverbrauch während des Betriebs berücksichtigt. Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über die Vor- und Nachteile bei der Stromproduktion aus erneuerbaren Energieträgern.

Art der StromproduktionVorteileNachteile
Windenergie an Land
  • geringer Flächenverbrauch bei Errichtung auf Wiesen und Feldern
  • bei Errichtung von Windenergieanlagen im Wald sind Rodungen erforderlich
  • Gefahr für Vögel und Fledermäuse
Windenergie auf See
  • kein Flächenverbrauch an Land
  • Beeinträchtigung der Unterwasser-Biosphäre beim Bau
Photovoltaik
  • kein Flächenverbrauch bei Installation auf Dächern oder über bereits versiegelten Flächen (z.B. Parkplätze)
  • Flächenverbrauch bei großen Freiland-Anlagen
Wasserkraftwerke
  • geringe Schwankungen bei der Stromproduktion, daher kein Bedarf an zusätzlichen Speichern beziehungsweise Backup-Kraftwerken
  • starke Eingriffe in Landschaft und Biotope
  • Beeinträchtigung der Wanderung von Fischen
Biomasse-Kraftwerke
  • geringe Schwankungen bei der Stromproduktion, daher kein Bedarf an zusätzlichen Speichern bzw. Backup-Kraftwerken
  • hoher Flächenverbrauch durch Anbau von Energiepflanzen
  • fördert Monokulturen und Pestizideinsätze

Letztlich ist fast jede Art der grünen Stromerzeugung auch mit gewissen ökologischen Problemen verbunden. Am unproblematischsten ist die Photovoltaik auf Dächern, weil diese ohnehin schon als versiegelte Fläche gelten. Am anderen Ende der Skala steht die intensive Nutzung von Energiepflanzen, die bei entsprechendem Umfang sowohl zu Monokulturen als auch zur Flächenkonkurrenz mit dem Anbau von Nahrungsmitteln führen kann. Gleichwohl gilt, dass alle Varianten der erneuerbaren Stromerzeugung eine bessere Klima- und Umweltbilanz als die fossile Stromerzeugung vorweisen können.

Kennzeichnung von Ökostrom: Gütesiegel, Label, Zertifikate, Herkunftsnachweise

Im Internet findet man viele Informationen zum Thema Ökostrom.
Ökostromprodukte sind häufig mit bestimmten Kennzeichnungen versehen, um dem Kunden zu zeigen, dass der Stromanbieter den Strom tatsächlich aus erneuerbaren Quellen bezieht. Weil jedoch die Begriffe „Ökostrom“ oder „Grüner Strom“ nicht gesetzlich geschützt sind, kann die Aussagekraft der einzelnen Kennzeichnungen variieren.

Was sind Zertifikate und Herkunftsnachweise?

Wenn ein Stromhändler Ökostrom bezieht, kann er dies anhand der Herkunftsnachweise belegen. Hierbei handelt es sich um eine elektronische Bescheinigung darüber, wo und auf welche Weise der eingekaufte Strom produziert worden ist. Auf europäischer Ebene erfolgt die Grünstromkennzeichnung durch das „EECS-GoO“-System.

Die Zertifikate können für jede produzierte Kilowattstunde nur einmal ausgestellt werden, sind jedoch handel- und tauschbar. So kann beispielsweise der Betreiber eines schwedischen Wasserkraftwerks sein Zertifikat gegen den Herkunftsnachweise von Kohlestrom aus Deutschland eintauschen – dann wird in wirtschaftlicher Hinsicht der deutsche Kohlestrom in Schweden und der schwedische Ökostrom in Deutschland verkauft. Die physische Stromherstellung bleibt davon unbeeinflusst.

Gütesiegel und Label

Manche Ökostrom-Anbieter präsentieren Gütesiegel oder Label, um die Umweltfreundlichkeit ihres Produktes zu bekräftigen. Am Markt agieren mehrere Aussteller, die teils unterschiedliche Kriterien anwenden. Zu den bekanntesten Label-Anbietern zählen:

  • Grüner-Strom-Label. Das seit 1998 bestehende Label wird von gemeinnützigen Organisationen wie BUND und NABU getragen und gilt als vergleichsweise streng. So müssen die Anbieter einen Teil des Umsatzes in neue ökologische Stromprojekte investieren, bei Strom aus Wasserkraft sind Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerökologie nachzuweisen.
  • ok power. Hinter diesem Label stehen unter anderem die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen und der WWF. Um den Ausbau der grünen Stromerzeugung zu fördern, muss der Strom entweder zu großen Teilen aus neuen Anlagen stammen oder es muss eine finanzielle Förderung von neuen Projekten erfolgen.
  • TÜV-Zertifikate. Auch hier ist eine bestimmte Quote an Ökostrom aus neuen Anlagen vorgeschrieben, allerdings sind die Kriterien etwas weniger streng als beim Grüner-Strom-Label oder ok power.

Was kostet mehr: grüner Strom oder konventioneller Strom?

Ein Mann berechnet welcher Stromanbieter günstiger ist.
Die Zeiten, in denen Strom aus Windkraft und Photovoltaik viel teurer war als fossil erzeugter Strom, sind längst vorbei. Unter Berücksichtigung aller Faktoren ist die Produktion von grünem Strom oft sogar preisgünstiger als die Stromgewinnung aus Gas, Kohle oder Atomkraft.

Somit ist es wenig überraschend, dass die in früheren Jahren gängigen Preisaufschläge auf grünen Strom nur noch bei den allerwenigsten Anbietern vorzufinden sind. Lediglich bei Anbietern mit besonders strengen Bezugskriterien oder hoher Förderung von Neuinvestitionen ist der Ökostrombezug etwas teurer.

Wann ist ein Ökostrom-Tarif sinnvoll?

Grundsätzlich ist es immer sinnvoll, bei der Wahl des Stromtarifs auf Ökostrom zu setzen. Dies gilt auch für preisbewusste Verbraucher, für die es eine Vielzahl an kostengünstigen Ökostromtarifen gibt.

Wer besonderen Wert darauf legt, als Stromverbraucher den Ausbau der Ökostrom-Erzeugung zu fördern, sollte bei der Tarifwahl darauf achten, dass ein Teil der Stromkosten in den Bau neuer Ökostrom-Projekte investiert wird.

Tipps: Ökostrom-Anbieter vergleichen – was gibt es bei der Tarif-Wahl zu beachten?

Auf Vergleichsportalen können Verbraucher mit wenigen Eingaben und Klicks günstige Ökostromanbieter finden. Erforderlich ist in der Regel die Eingabe des voraussichtlichen Jahresverbrauchs sowie die Postleitzahl, da manche Anbieter nur regional aktiv sind.

Bekannte Vergleichsportale sind unter anderem

Tipp: Beachten Sie die Kündigungsfristen

Beim Wechsel des Stromanbieters sollten Sie prüfen, ob Ihr aktueller Vertrag eine Kündigungsfrist enthält. Dies ist vor allem bei Verträgen der Fall, bei denen über einen bestimmten Zeitraum – meistens ein Jahr – Preiserhöhungen ausgeschlossen sind.

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