Stroh als Baumaterial: Eigenschaften, Kosten und Einsatzbereiche
von Helen Linder, Teamleiterin FinanzierungsberatungStroh kann im Bauwesen als Baustoff und Dämmmaterial eingesetzt werden. Aufgrund seiner Wärmedämmeigenschaften wird es für verschiedene Bau- und Dämmkonzepte verwendet. Informieren Sie sich hier, worauf Sie achten sollten bei der Planung mit diesem Material und verschaffen Sie sich einen Überblick über die Kosten dieser Bauweise.
Alles Wichtige auf einen Blick
- Stroh weist in verschiedenen Untersuchungen eine niedrige CO₂-Bilanz auf und ist als Rohmaterial vergleichsweise preiswert.
- Planung und Nachbearbeitung sind aufwändiger und minimieren so den Preisvorteil. Außerdem wird Stroh häufig mit bestimmten raumklimatischen Eigenschaften in Verbindung gebracht.
- Langfristig kann sich das Material aber durch die Energieeffizienz und die CO₂-Bilanz auszahlen. Stroh wird häufig mit bestimmten raumklimatischen Eigenschaften in Verbindung gebracht.
- Als Dämmmaterial entspricht Stroh den Anforderungen ans Passivhaus.
Stroh ist ein nachwachsender Rohstoff. Es bindet während seines Wachstums Kohlendioxid und speichert es als Baustoff im Haus. Bei der Herstellung und Verarbeitung zum Baumaterial ist Stroh deutlich weniger energieintensiv als Ziegel oder Beton. Hinzu kommen die Wärmedämmeigenschaften des Materials, die den Energiebedarf eines Gebäudes beeinflussen können. Ein Fünftel des Strohs, das nach einer durchschnittlichen Ernte in Deutschland als Abfall anfällt, würde nach Berechnungen des Fachverbands Strohballenbau (Fasba) für den Bau von 350.000 Einfamilienhäusern reichen.
Was ist ein Strohballenhaus?
Ein Strohballenhaus ist ein Gebäude, dessen Wände aus Stroh konstruiert sind. Strohballenhäuser bieten unter gewissen Voraussetzungen die Möglichkeit, den CO₂-Fußabdruck zu reduzieren und werden unter anderem aufgrund ihrer Materialeigenschaften und Dämmwirkung eingesetzt. In Deutschland sind sie seit 2014 in Kombination mit der Holzständerbauweise erlaubt. Lasttragende Strohhäuser brauchen dagegen eine Sondergenehmigung. Die Wände eines Strohballenhauses bestehen üblicherweise aus rechteckigen oder quaderförmigen Ballen, die gestapelt und miteinander verbunden sind. Die Wände werden in der Regel von beiden Seiten mit Lehm, Kalkputz oder Holz verkleidet, um die Stabilität zu erhöhen, die Wärmedämmung zu verbessern und vor Witterung zu schützen.
Für was braucht man Stroh?
Die Quader aus gepresstem Stroh dienen als Ziegelersatz. Das Gewicht von Dach und Obergeschossen wird dabei meist durch ein Holzständerwerk abgefangen. Der Baustoff wird in die Konstruktion verbaut. Er eignet sich auch für Dach- und Deckenelemente, für die Stroheinblasdämmung, als Dämmmatten für Zwischensparren-, Aufsparren- oder Dachbodendämmung sowie in Form von gepressten Strohplatten als Alternative zum Gipskarton.
Wie viel kostet Stroh im Vergleich?

Als Rohmaterial ist Stroh vergleichsweise kostengünstig. Rechnet man aber das aufwendige Arbeiten und Verputzen mit ein, liegt der Preis für Stroh als Dämmmaterial pro Quadratmeter leicht über den günstigsten Dämmstoffen wie Polystyrol. Allerdings können Sie hier auch leichter eine Eigenleistung einbringen als beim Massivbau und so als Bauherrin oder Bauherr Kosten sparen. Die nötigen Kenntnisse hierfür werden in Workshops vermittelt.
Eigenschaften und Vorteile
- Die Vorteile liegen vor allem im Rohstoff. Beim Stroh handelt es sich um eine nachwachsende Ressource, die als Nebenprodukt der Getreideernte vielerorts bereits vorhanden ist.
- Baustroh ist als reines Baumaterial vergleichsweise günstig.
- Eigenleistungen sind beim Einbau und beim Verputzen möglich.
- Bei der Dämmung hält Stroh mit Mauerwerk mit. Die Wärmeleitfähigkeit für eine 40 Zentimeter dicke Außenwand entspricht dem Passivhausstandard.
- Der Schallschutz für Außenwände ist in der Regel ausreichend.
- Durch den Schutz einer Lehmschicht halten Strohballenhäuser einem Feuer circa 90 Minuten stand.
- Aufgrund der hohen Pressdichte sind die Strohballen resistent gegen Nagetiere und Ungezieferbefall.
- Die Entsorgung ist unproblematisch. In reiner Form kann das Stroh kompostiert oder sogar wiederverwendet werden. Aus Stroh kann Biogas gewonnen werden.
Nachteile
- Stroh muss vor Feuchtigkeit geschützt werden. Ansonsten kann es zu Schimmelbildung kommen.
- Die Planung und der Bau sind arbeitsintensiver und aufwendiger als beim Massivhaus. Das macht den Kostenvorteil des Rohmaterials gegenüber Ziegel zunichte.
- Eine solide Planung der Konstruktion und die Güte des Materials müssen gewährleistet sein.
Herausforderungen
Bei der Planung wird auf einen ausreichenden Feuchteschutz geachtet. Deshalb ist ein gut koordinierter Ablauf in der Bauphase wichtig. Vorgefertigte Elemente erleichtern und beschleunigen den Prozess. Die Strohballen müssen beim Pressen auf die gewünschten Längen abgebunden werden und eine gleichmäßige Dichteverteilung haben. Strom, Wasser oder Abwasser werden über die Innenwände und die Decken verlegt. Für Elektrokabel und Steckdosen in den Strohballenwänden braucht es eine spezielle Putzbettung.
Kosteneffizienz
Die Kosten für den Bau mit Stroh liegen rund 8 % höher als beim Massivbau. Zwar sind Baustrohballen verhältnismäßig günstig, doch der Einbau und das Verputzen der Strohballen ist arbeitsintensiv und teuer. Außerdem hat nur ein Teil der Bauleistungen mit Strohbau zu tun. Für Keller, Dachdeckung, Fenster und Türen, Innenwände, Fußböden oder die Haustechnik gelten die konventionellen Anforderungen und Preise.
Umwelt- und Materialaspekte beim Bauen mit Stroh

Augenfällig ist der niedrige CO₂-Fußabdruck, da es sich bei Stroh um einen nachwachsenden Rohstoff handelt, der beim Wachstum Kohlendioxid aufnimmt und später im Haus speichert. Im Vergleich zu Baumaterialien wie Beton oder Ziegel verbraucht die Herstellung deutlich weniger Energie. Die Wärmedämmeigenschaften des Baustoffs können den Energiebedarf eines Gebäudes beeinflussen. Nach der Nutzung kann das Stroh kompostiert, wiederverwendet, verbrannt oder für Biogasanlagen zur Verfügung gestellt werden.
Fazit: Eine kosteneffiziente und klimafreundliche Lösung?
Stroh wird aufgrund seiner Materialeigenschaften und seiner CO₂-Bilanz häufig im Zusammenhang mit ressourcenorientierten Bauweisen betrachtet, bei den Kosten müssen dagegen verschiedene Faktoren berücksichtigt werden. Denn Strohballenhäuser sind aufwendig in der Planung und der Bearbeitung. Langfristig können sich die Mehrkosten allerdings lohnen. Denn Faktoren wie die gute Wärmedämmung können dazu beitragen, die Betriebskosten des Gebäudes zu senken. Nicht zuletzt können auch die CO₂-Bilanz und der Energieaufwand der verwendeten Materialien bei der Bewertung eines Bauvorhabens berücksichtigt werden.
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